Kater Morli unter einsamen Palmen


Liebe Leute, Damen,Herren, Schwestern,Brüder, Freunde des närrischen Treibens, vor allem aber des Bluattommerls und der Breinwurst! Im Schlachthof des grausamen Sch. ist schon viel Blut über die vormals sauberen Kacheln geflossen, seit ich hierorts meinen letzten Bericht gab und wahrheitsgetreu das närrische, aber auch unkeusche Treiben in unserer Weinstadt und deren Umland rapportierte. So freue ich mich nun nach so langer Zeit, nach Überwindung der weihnachtlichen und jahreswendlichen Rituale und Traditionen, der Völlerei und dem exzessiven Alkoholgenuss unserer Mitbürger und auch -innen (dieser Zusatz ist eine von meinem Herrchen und Herausgeber nicht autorisierte Kooperation mit einer in Leibnitz ansässigen Vereinigung subventionierter Berufsemanzen), so freue ich mich also, wieder Bericht erstatten zu können und die lieben Leute werden staunen, was mir in den letzten acht Wochen widerfahren ist. Euer Kater nämlich war auf Urlaub und das kam so: Ein im Raume Leibnitz bekannter Unternehmer, dessen Namen wir hier aus Gründen der Vermeidung allzu großer Peinlichkeit nicht einmal abgekürzt andeuten wollen, hatte schon vor langen Monaten eine weihnachtliche, aber oder gerade deswegen luxuriöse Reise auf die Malediven gebucht. Kurz vorher allerdings musste seine Frau aus gesundheitlichen oder anderen Gründen die Teilnahme an dieser Reise absagen. So kam es,. dass er zwecks Vermeidung der horrenden Stornogebühren, welche die internationalen Finanzhaie der Reisewelt ihren abspenstigen Kunden verrechnen, nach Ersatz suchte. Ein weiblicher Ersatz kam - bei mäßiger Nachfrage - aus Gründen der Aufrechterhaltung eines Restes an ehelicher Lebensqualität nicht in Frage und so entschied er sich dafür, nach männlichen Reisepartnern zu suchen. Einen solchen fand er schließlich auch in Gestalt eines weiteren Unternehmers aus der Region, für dessen genauere Identifizierung in dieser heiteren Kolumne Ähnliches gilt wie für den Erstgenannten. So also bestiegen die beiden Herren, der eine betagter als der andere, ein Aeroplan, wo selbst sie um sündteures Geld Champagner schlürfend und Kaviar schmatzend ihrer Ankunft in einer fernen Inselwelt, die der Ältere fortwährend als „Karibik“ titulierte, entgegenvöllerten. Mit im Gepäck war - erraten: Ich! Hatte ich mich doch in den alten Koffer des Älteren geschlichen, um auch einmal Urlaub zu haben und den Weihnachtsritualen meiner strengen Herrin zu entkommen. Am Ziel angekommen trat Ernüchterung ein. Vom Paradies, wie es schon in der Bibel beschrieben ist, konnte keine Rede sein. Denn das Reiseziel entpuppte sich als winziges Eiland im weiten Meer, das der Ältere gleich nach seiner Ankunft umrundete und ohne großer Sportler zu sein nur zehn Minuten für die Umkreisung seines Lebensraumes für die kommenden zwei Wochen benötigte. Nach dieser anstrengenden Wanderung durch den seiner Meinung nach karibischen Sand, der sich in Wahrheit allerdings aus dem indischen Ozean erhob, machte er sich gewohnheitsmäßig auf die Suche nach einer Spelunke. Allein, die fand er nicht und begann sohin daran zu glauben, dass der Herrgott selbst das Paradies nach der Vertreibung von Adam und Eva geschlossen haben musste. Leider nicht nur für Wartungsarbeiten in diesem archaischen Themenpark sondern wohl für imnmerdar. Diese Erkenntnis erhärtetesich noch, als er die einzige Bezugsquelle für sein kühles Bierchen in der Minibar des den Reisenden zugewiesenen großzügigen Bungalows fand. Denn der Preis für die Befriedigung seiner flüssigen Bedürfnisse war gut lesbar angeschlagen: Schlappe 14 Euro für ein kleines Bierchen. Der ältere Reisende rechnete kurz, überschlug die Ausgaben im Kopf und es wurde ihm schwummrig: Bei nur zehn kleinen Bierchen täglich - was bei dieser Hitze dem Konsum eines lebenslangen Abstinenzlers entspräche - beliefen sich die täglichen Kosten auf 140 Euro! In 14 Tagen also. Ihm wurde übel, der Inselarzt musste gerufen werden. Während ich mich den ganzen Tag auf der schattigen Terrasse räkelte und mich zu Tode langweilte, beobachtete ich das sonstige Treiben auf der Insel, welches als solches ziemlich wörtlich zu nehmen war. Frequentierten das neumodisch gesprochen „luxury hideaway“ schließlich vor allem alte Russen mit ihren jungen Freundinnen und japanische Hochzeitspärchen. Keine alleinstehenden Weiber außer zweier Lesben, die definitionsgemäß an geschlechtlichen Akten mit Glockenträgern kein Interesse hatten. Auch in diesem Punkte also „Sense“ für den Älteren, was den Jüngeren nicht zu stören schien, beschäftigte er sich doch fortwährend mit seinem iPad. Besonders heiter waren in diesem Zusammenhang für mich die Blicke des üppig vorhanden Personals, aber auch der anderen Gäste, wenn die beiden Herren gemeinsam zum Abendessen schritten, wo im Strandrestaurant ein von romantischem Kerzen-licht gefluteter Tisch für sie vorbereitet war. Was gab es da für ein Getuschel, was mochten die anderen wohl denken? Der Ältere zog daraus die Konsequenzen und rasierte sich zwei Wochen lang nicht, weil ihm zu Ohren gekommen war, dass Anhänger jener sexuellen Richtung, in die man ihn offensichtlich einordnete, sich stets ihrer Körperbehaarung entledigten. Auch dass aber konnte ihn von der zwei Wochen währenden Peinlichkeit nicht befreien und so soll er wie weiland das Päpstlein den Boden geküsst haben, als er in Wien wieder aus dem Flugzeug stieg. Dies also zu meinem Urlaub, den ich mit zwei Herren verbringen durfte, die so gar nicht ins vormals geschlossene Paradies passten. Nach meiner Rückkehr habe ich selbstverständlich eine Vielzahl von Veranstaltungen besucht, Schnacken und Schnurren aufgesammelt und mich auch da und dort gestärkt. So erfuhr ich etwa auch das eine oder andere über die Neuwahl bei den Leibnitzer Spritzenmännern. Die steht ja in Kürze an und es wird heftig diskutiert, ob der Itzi auch weiterhin der Oberspritzenführer sein darf. Im Hintergrund scharrt da freilich der Gerhard heftig, welcher offiziell gar kein Leibnitzer Spritzenmann mehr ist und sich am Itzi rächen will. Also schauen wir wie‘s ausgeht. Und noch was Kulinarisches: Jüngst eröffnete ja oben am Berg ein Wirt, welcher die Sünden seines Vorgängers nicht wiederholen wollte. Und schon bei der Eröffnung passierte Ungemach: Die zum Dessert servierten Dukatenbuchteln, dem zuständigen Koch an den Kopf geworfen hätten einen in den Gerichtssaal des grausamen, aber gerechten Scharfrichters P. gebracht und eine Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung eingetragen. So viel zum Beginn des Jahres, eine heitere Kolumne passend zur närrischen Zeit. Schnöde Politik oder gar die Erwähnung so manches Nussenaufschlagers, die ich im Vorjahr versprochen hatte, werden in der Fastenzeit wieder Einzug halten.

Dieser Kater Morli Text wurde am von Martin Sax veröffentlicht und verfasst.

Kater Morli

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