Kater Morli zwischen Tief- und Hochkultur
Schwestern, Brüder,
Freunde des aufblühenden
Sommers, der
kommenden Hitze
und kühler innerer wie äußerer
Erfrischungen!
Es ist ja allerorten die Zeit
der Maibäume und zu meinem
Schrecken musste ich feststellen,
dass ich es nicht mehr
schaffe wie in meinen jungen
Jahren, einen selbigen zu
erklimmen, um das hie und da
unter dem Wipfel verzurrte
Geschenk zu ergattern, welches
ich weiland flugs meinem
Herrchen überbrachte, war
doch meist nicht ess-, sondern
bloß trinkbares im Körbchen,
welches im Winde schaukelte
versteckt.
Euer Kater wird eben alt, was mich aber keineswegs daran
hindert, weiterhin die Weinstadt
und das umliegende
Land zu durchstreunen, um
nach Kuriositäten Ausschau
zu halten, vor allem aber dem
Volke und den von diesem gewählten
Vertretern aufs Maul
zu schauen und getreulich
über Intrigen, Schnacken und
Schnurren zu berichten.
So verschlug es mich nach
einem Besuch in Franzis wiedereröffnetem
Flussbad, wo
ich mich an Resten von Dorlis
köstlichem Brüstel laben
durfte, nach einem mühsamen
Fußmarsch durch das Sulmtal
in den Weiler H., wo seit
kurzem der Baumeister L. als
Dorfschulze fungiert.
Er tut dies indes zum steigenden
Missfallen so manchen
Gemeindebürgers, wie mir am
Berghang beim fidelen Wirte
K. ebenso erzählt wurde wie
beim Buschenschank zur
schwarzen Katze, welche ich
allerdings noch nie angetroffen
habe, wie ich vom Thema
etwas abweichend anmerken
muss.
Das Missfallen, so wird droben
bei der schwarzen Katze
erzählt, sei direkt proportional
mit den wirtschaftlichen
Kalamitäten eines Bauunternehmens,
zu dem besagter
L. intensivere Beziehungen
pflegt, gestiegen. Vor allem
seit bekannt wurde, dass wie
dies rechtlich hierzulande vorgesehen
ist, gewisse Altlasten
durch die Bezahlung einer geringeren Summe als der geschuldeten
vom Tische sind.
So mancher Häuslbauer fühlt
sich in diesem Zusammenhang
vom Dorfschulzen verschaukelt,
plagt er sich doch
Monat für Monat, die ihm aufgebürdete
Zahl- und Zinslast
pünktlich zu begleichen.
Und sogar drunten in W., wo
einst die Römer residierten,
wird über den Dorfschulzen
L. gelästert, vor allem, weil
dort ein Kommunalpolitiker
tiefschwarzer Provenienz in
einem gewissen wirtschaftlichen
Naheverhältnis zu
besagtem Dorfschulzen L.
stand oder steht.
Und sich die
Gemeindeführung weigerte
auf das Angebot, auf einen
großen Teil eines ohnehin läpischen Betrages zu verzichten,
einzugehen.
Die Moral von der Geschicht
ist also jene, wie beim trefflichen
Wirte St. drunten in W.
anklagend verbreitet wird,
dass es sich die Großkoupfaten
richten können, während
dem kleinen Mann und auch
der kleinen Frau, wie in einem
Anfall von Rücksicht nahme
auf die Kollegin S. hinzufüge,
stets die volle Last des Geschuldeten
abgeknöpft wird.
Und dies - so heißt es wiederum
beim Wirte K. in H., sei
für jemanden, der das würdige
Amt des Dorfschulzen bekleidet
nicht schicklich.
Wir werden sehen, wie die
Sache weitergeht, wie ich höre
steigen den Damen und Herren
droben in der Zentrale der
Kohlensäcke in Graz schon
die Grausbirnen auf, wenn sie
den Namen des Weilers H.
Erwähnung finden hören.
Auch in der Weinstadt selbst
aber haben die Kohlensäcke
alles andere als ein Dream-
Team, wie man neudeutsch
sagt. Und der aktuell Frontmann,
der es mangels Einberufung
eines Parteitags durch
den vormaligen Bürgermeister
Hans noch immer zu keiner
Parteifunktion gebracht
hat, ist ja nicht gerade eine
Stimmungskanone, wie so
mancher Besucher von Trixis
Maikirtag jüngst feststellen
konnte. Während nämlich der
täglich selbstbewusster werdende
Heli sich schon ebenso
gekonnt unters Volk mischte
wie der Volkstribun Beppo,
versteckte sich der arme Guido
hinter einer Sonnenbrille
und einem Sonnenschirm.
Dabei war aber die Sonneneinstrahlung
an diesem Tage
wirklich nicht übermäßig intensiv.
Gut möglich aber, dass
besagter Guido unter einer
Sonnenallergie oder extrem
empfindlicher Haut leidet
und daher nicht unter seinem
doppelten Sonnenschutze hervorkroch.
Freilich darf gesagt
werden: Unterirdisch gewinnt
man weder Wahlen noch
Sympathie. Aber dafür hat ihn mein Herrchen
fotografiert, haben
die beiden doch ihren
gegenseitigen Groll
schon fast ganz abgelegt
und das Kriegsbeil
begraben.
Soviel also zur
Politik und es ist
mir ein Bedürfnis,
aus diesen
Niederungen
nun die Sphären
der Kultur
zu erklimmen,
welche voller
Unschuld den
Menschen Freude,
Bildung und
Genuss bringt.
Oder bringen sollte.
Denn in die edlen Klänge
genialer Kompositionen
haben sich in Leibnitz in den
letzten Wochen Misstöne
gemischt.
Wagte es doch der
Gemeinderat, einen Arbeitskreis
ins Leben zu rufen, der
sich mit jener Kultur beschäftigt,
welcher der drollige
Sigi in dieser Stadt für sich
gepachtet zu haben meinte.
Und seit er darob ganz beleidigt
ist und da und dort leise
Kritik an der mangelnden
Vielfältigkeit hiesigen Kulturlebens
geäußert wird, wagen
sich mehr und mehr Kritiker
vor den Vorhang, um dem Sigi
und seiner Kulturpolitik ans
Zeug zu flicken.
Liebe Leute, Euer Kater
versteht ja wirklich nichts von
Kultur. Nicht umsonst nennt
man quälende Klänge aus untalentierter
Hand Katzenmusik.
Dennoch fühle ich mich
verpflichtet, zu berichten, was
nach so mancher Musikantenprobe
beim Guido im Kulturzentrum
gesprochen wird.
Da sitzen dann kreuzbrave
Musikanten bei einem oder
auch zwei Bierchen beieinander,
ruhen sich von den
Anstrengungen aus, die das
Blasen der Trompete, das
Quetschen eines Pressluftklaviers
oder gar das Schlagen
der Trommel verursacht hat
und lamentieren über ihr
ehrenamtliches Hobby des Kulturschaffens.
Jedes neue
Instrument für die Blaskapelle
schließlich stelle einen
finanziellen Kraftakt dar.
Bitten und Betteln müsse
man immerfort, gar wenn bei
einem Musikerrock ein Knopf
ausfällt und nicht mehr auffindbar
ist.
Auf der anderen Seite aber
lasse der Sigi, so meutern
die Musikanten, Leute über
den weiten Ozean einfliegen,
welche dann vor fünf Dutzend
Interessierter in einem
schummrigen Keller die
Gitarre würgen und manchmal
nicht einmal dazu singen.
Die Einnahmen solcher
Veranstaltungen decken nicht
einmal die Kosten für die
anschließende Unterbringung
in den führenden Häusern der
Stadt, vom Flugticket ganz zu
schweigen, heißt es.
Was wäre da dagegen das
Nockalmquintett am Hauptplatz,
welches tausende
Schunkelwütige anziehen
und auch noch die Kassen der
ausschenkenden Gastronomie
füllen würde!
Tja, so sagen Besonnene,
90.000 Euro im Jahr sind ja kein Pappenstiel. So viel
ist der Stadt Sigis Kultur
nämlich wert. Und aus all
den Veranstaltungen von
zumeist langhaarigen oder
gar glatzköpfigen Bläsern und
Gitarristen kommen dann
gerade einmal 30.000 Euro
an Erlösen herein.
Natürlich
können nur Kulturbanausen
solches einwenden, schließlich
sollte man die hehre Kunst
nicht am schnöden Mammon
messen.
Dummerweise wird sich der
Sigi genau jenes aber doch
gefallen lassen müssen und
wie jüngst beim Hansi hinten
an der Theke mitgeteilt wurde,
stellt sich die Frage, ob
Kunst nur das ist, wofür sich
niemand interessiert, während
Veranstaltungen, die großen
Publikumszulauf haben, bloß
dem niedrigen Anspruch der
Volksbelustigung genügen.
Dies also zur Frage der Kultur
und ihres Wertes und ich
hoffe doch sehr, dass die von
mir belauschten Informanten
mehr von Kultur verstehen
als ich dummes Katzenvieh,
schließlich spielten doch die
meisten das eine oder andere
Instrument.
Dieser Kater Morli Text wurde am 09.05.2012 von Martin Sax veröffentlicht und verfasst.